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Willkommen auf der Homepage von orpheus.news, dem Nachfolgeverein des Orpheus Trust



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Jahresbericht Verein orpheus.news 2016

Wir trauern um unseren Freund, den Ehrenpräsidenten des Vereins Orpheus Trust, Moshe Jahoda (geb. 14. Mai 1926 Wien, gest. 18. Oktober 2016 Tel Mond). Neben seiner beruflichen Tätigkeit als Vertreter der jüdischen Opferorganisation Claims Conference hat er sich als Cousin des Komponisten Fritz Spielmann mit ganzer Kraft für den Verein Orpheus Trust in Wien eingesetzt. Gemeinsam mit seinem anderen Cousin Walter Marc Gregory und dem damaligen Wiener Kulturstadtrat Dr. Peter Marboe hat er den Fritz Spielmann Fonds des Orpheus Trust begründet, der zahlreiche ForscherInnen und MusikerInnen bei ihren Projekten, Leben und Werk verfolgter Musikschaffenden zu erforschen und dem Vergessen zu entreißen, finanziell unterstützt hat. Sein Einsatz für Gerechtigkeit wird uns ein Leitbild bleiben.

Mit Yitzchak (Eduard) Barsam ist am 3. Januar 2016 einer der letzten Exil-Komponisten aus Österreich in Haifa gestorben. Der Politiker und Sportfunktionär Alfred Gerstl, der sich in seiner Jugend seinen Lebensunterhalt auch als Sänger verdiente, verstarb am 15. November 2016 in Graz.

Vereinsstruktur
Das Vereinsjahr 2016 wurde benutzt um einen Generationenwechsel im Vorstand anzubahnen. Auf Vorschlag von Primavera Driessen Gruber wurden ehemalige Mitarbeiterinnen und Praktikantinnen des Orpheus Trust als Vorstandsmitglieder des Vereins orpheus.news vom Vorstand kooptiert. In der Generalversammlung vom 14. November 2016 wurden Mag. Sabine Reiter (MICA-music austria) und Dr. Judith Deak (Wiener Konzerthaus, zur Zeit Karenz) bestätigt und zur Kassierin bzw. Schriftführerin gewählt; Mag. Lisa Farthofer –Schmidt (Ausbildung zur Musiktherapeutin, früher Wiener Konzerthaus), die zur Zeit ebenfalls in Karenz ist, wurde Mitglied des Beirats. Sie nehmen inzwischen wichtige Positionen im Musikleben Österreichs ein bzw. sind dabei sich neu zu orientieren. Wir freuen uns über diesen jungen Zuwachs aus dem ‚alten’ Orpheus-Team und über ihre Bereitschaft, den Verein orpheus.news aktiv mitzugestalten.
Wir bedanken uns bei den scheidenden Vorstandsmitgliedern, die in guten und weniger guten Zeiten an unserer Seite gestanden sind und freuen uns, dass sie dies auch weiterhin als Beiratsmitglieder tun wollen. Der Beirat, der bisher keine Mitglieder hatte, wird den Vorstand in konkreten Fragen beraten.

Aus der Arbeit der Vorstandsmitglieder
Reinhard Kapp wurde als ordentlicher Professor an der mdw emeritiert. Er hat zuletzt u.a. einen Symposiumsbericht „Wiener Schule und Alte Musik“ herausgegeben und arbeitet an weiteren Projekten und Publikationen zum Thema NS-verfolgter Musikschaffender (René Leibowitz, Arnold Schönberg, Leopold Spinner, Hans Swarowsky, Josef Trauneck).
Die von Heinz und Victoria Lunzer initiierte Tagung ‚Soma Morgenstern – Von Galizien ins amerikanische Exil’ in Toulouse hatte indirekt zur Folge, dass auf Initiative von Georg Deutsch und in Anwesenheit des Sohnes von Soma Morgenstern, des Jazzhistorikers Dan Morgenstern, eine Gedenktafel am Wohnhaus von Soma Morgensterns in der Wiener Belvedèregasse enthüllt wurde. Primavera Dreissen Gruber arbeitet weiter am Österreichischen Handbuch der NS-verfolgten Musikschaffenden, das im Herbst 2018 erscheinen soll. Bisher konnten über 6.700 verfolgte Musikschaffende mit einem österreichischen Hintergrund und 20.000 ihrer Werke dokumentiert werden.
Wir gratulieren Gerhard Scheit, der von der Theodor Kramer Gesellschaft mit dem Theodor Kramer Preis für Schreiben im Exil und im Widerstand 2016 ausgezeichnet wurde.

Die website des Vereins orpheus.news wurde von Primavera Driessen Gruber durchgehend aktualisiert; die englische Version der Jahresberichte 2015 und 2016 wird nachgetragen. Im Januar war sie anlässlich des Internationalen Holocaust-Gedenktages auf Einladung der ständigen Vertretung des Staates Israel bei den Vereinigten Nationen (Wien) Teilnehmerin einer Podiumsdiskussion im Anschluss an der Dokumentarfilmvorführung „The Return oft he Violin“ (IL 2012) im Rahmen des Filmfestivals ‚this human world’. Im Dezember nahm sie auf Einladung von Karin Wagner gemeinsam mit Reinhard Kannonier und Marie-Theres Arnbom an einer Podiumsdiskussion im Linzer Dorf-TV zum Thema Richard Tauber (Sendereihe ‚Tönende Ohnmacht’ von Karin Wagner) teil.
Der Entwurf zum Findbuch der Orpheus-Bestände im Archiv der Akademie der Künste Berlin wurde von Primavera Driessen Gruber überarbeitet. Die Bestände sind über die website abrufbar.

Vermittlung und Vernetzung
Die SchülerInnen der Musikmittelschule Wiener Neustadt, die im Vorjahr anlässlich der Filmtage im Metro Kino Kultur Haus die Zeitzeugin Greta Klingsfeld kennen gelernt und sie in die Schule eingeladen hatten, brachten in Kooperation mit der Josef Matthias Hauer-Musikschule Wiener Neustadt die Kinderoper Brundibár zur Aufführung. Ein Film von Arno Aschauer über dieses Projekt war im November im Rahmen des Jüdischen Filmfestivals im Metro Kino Kulturhaus zu sehen.
Primavera Driessen Gruber war im November als Gast des Musikethnologen Simha Arom in Düsseldorf anlässlich der Gedenkveranstaltung zum Novemberpogrom 1938. Simha Arom wurde von der Stadt Düsseldorf und Vertreter des Landes Nordrhein-Westfalen geehrt und trat als Zeitzeuge in mehreren Schulen auf. Der Film, ‚Simha’ von Jerome Blumberg erlebte in der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf seine deutschsprachige Premiere mit deutschen Untertitel von Georg Beck, der durch die Buchpublikation ‚Douce France? Musik-Exil in Frankreich’ auf Simha Arom aufmerksam geworden war. Insgesamt sind dies gute Beispiele, wie Vermittlung und Vernetzung funktionieren können, und wie einzelne Projekte schrittweise weiter ausstrahlen und langfristig wirksam bleiben.

 

 



Lotte Bamberger-Hammerschlag

   

 


 


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